- 27.05.2026
Nachhaltigkeit gehört zu den zentralen Themen im modernen Gartenbau. Auch bei der Produktion von Pelargonien – im allgemeinen Sprachgebrauch meist Geranien genannt – rücken ressourcenschonende Produktionsmethoden und Lieferketten zunehmend in den Fokus. Eine einfache Antwort darauf, wie nachhaltig Pelargonien sind, gibt es nicht. Entscheidend ist, unter welchen Bedingungen sie kultiviert werden – und genau hier hat sich in der Branche in den vergangenen Jahren viel getan.
Die grundlegenden Nachhaltigkeitsfragen betreffen dabei nicht nur Pelargonien, sondern den Zierpflanzenbau insgesamt. Gewächshausproduktion, Substrate, Wasser- und Nährstoffmanagement, Energie und Pflanzenschutz bestimmen maßgeblich die Umweltbilanz einer Kultur. Im Pelargonienanbau arbeitet die Branche deshalb kontinuierlich daran, die Pflanzen mit möglichst geringem Ressourceneinsatz zu kultivieren. Einen wichtigen Beitrag leistet dabei die Züchtung: Neue Sorten werden zunehmend robuster und besser an unterschiedliche Kulturbedingungen angepasst. Das erleichtert eine ressourceneffiziente Produktion und sorgt gleichzeitig für langlebige, attraktive Pelargonien beim Verbraucher.
Pelargonien: robuste Kultur mit guten Voraussetzungen
Pelargonien haben Eigenschaften, die eine nachhaltige Produktion erleichtern. Sie sind robust, hitze- und trockenheitsverträglich und zeichnen sich durch eine besonders lange Blühdauer aus. Gleichzeitig kommen sie im Vergleich zu manchen anderen Beet- und Balkonpflanzen mit moderaten Kulturtemperaturen aus und reagieren vergleichsweise tolerant auf torfreduzierte oder torffreie Substrate.
Auch für Verbraucherinnen und Verbraucher spielen diese Eigenschaften eine Rolle. Pelargonien gelten als pflegeleichte, vielseitige Sommerblumen, die sich sowohl für Kästen und Kübel auf Balkon und Terrasse als auch für Beete im Garten eignen. Dank ihrer Robustheit und Blühfreude sorgen sie vom Frühjahr bis in den Herbst für verlässliche Blüten – unabhängig davon, ob sie im urbanen Umfeld oder auf dem Land wachsen. Gerade in zunehmend heißen Städten erweisen sich hitze- und trockenheitsverträgliche Pflanzen wie Pelargonien als besonders geeignet für sonnige Balkone und Terrassen.
Diese Eigenschaften machen eine Kultur allein noch nicht nachhaltig. Sie schaffen jedoch gute Voraussetzungen dafür.
Produktion und Herkunft im Blick
Wie nachhaltig eine Kultur ist, entscheidet sich zu einem großen Teil beim Anbau. Bei Pelargonien spielen dabei vor allem der Energieeinsatz im Gewächshaus, das Substrat sowie Bewässerung und Düngung eine wichtige Rolle.
Pelargonien werden in großen Stückzahlen produziert. Verbesserungen in diesen Bereichen können daher viel bewirken. Effizientere Gewächshaustechnik, eine angepasste Kulturführung und neue Substratmischungen helfen, den Ressourceneinsatz zu senken und Umweltwirkungen zu verringern.
Auch der Standort der Produktion spielt eine Rolle. Ein großer Teil der Pelargonien für den europäischen Markt wird regional produziert. Kurze Wege vom Betrieb zum Handel können Transportemissionen deutlich reduzieren. Gleichzeitig gewinnt Regionalität im Verkauf an Bedeutung, da viele Verbraucher gezielt nach Pflanzen aus heimischer Produktion fragen.
Zugleich ist die Branche international vernetzt. Viele Pelargonien werden aus Stecklingen vermehrt, die von Mutterpflanzen aus klimatisch geeigneten Regionen wie Kenia oder Äthiopien stammen. Studien zeigen, dass diese Arbeitsteilung nicht zwangsläufig zu einer schlechteren Klimabilanz führt. Im Gegenteil: Würden Mutterpflanzen in Europa kultiviert, wären häufig zusätzliche Heizenergie und Belichtung erforderlich.
Energie bleibt der entscheidende Hebel
Ein besonders wichtiger Einflussfaktor für die Nachhaltigkeit im Pelargonienanbau ist der Energieeinsatz im Gewächshaus. Vor allem in der frühen Kulturphase wird Energie für die Beheizung benötigt, um geeignete Wachstumsbedingungen zu schaffen.
„Vorliegende Lebenszyklusanalysen zeigen: Die Produktion im beheizten Gewächshaus verursacht im Mittel rund 0,7 bis 0,8 Kilogramm CO₂-Äquivalente pro Pflanze. Über 90 Prozent der Klimawirkung entfallen dabei auf die fossile Heizenergie“, erklärt Prof. Dr. Paul Lampert von der Fachhochschule Erfurt. Solange Gewächshäuser mit Öl oder Gas beheizt würden, bleibe die Energieversorgung der entscheidende Faktor für die CO₂-Bilanz der Produktion.
Alternative Energiequellen werden für viele Betriebe nicht nur aus Umwelt-, sondern auch aus wirtschaftlichen Gründen immer wichtiger. Zahlreiche Produzenten setzen inzwischen auf Biomasse, Geothermie, Fernwärme oder industrielle Abwärme.
Substrate im Wandel
Neben dem Energieeinsatz rückt auch das Substrat zunehmend in den Fokus der Nachhaltigkeitsdebatte. Traditionell basieren viele Pelargonienkulturen auf torfhaltigen Mischungen, da Torf hervorragende physikalische und mikrobiologische Eigenschaften besitzt: Er speichert Wasser, sorgt für eine stabile Struktur im Wurzelraum und ermöglicht eine gleichmäßige Nährstoffversorgung.
Allerdings steht Torf aus ökologischer Sicht zunehmend in der Kritik. Beim Abbau von Torf werden große Mengen gespeicherten Kohlenstoffs freigesetzt, außerdem gehen wertvolle Moorlebensräume verloren. Vor diesem Hintergrund verfolgen viele europäische Länder Strategien, den Torfeinsatz im Gartenbau schrittweise zu reduzieren und durch alternative Substratrohstoffe zu ersetzen.
Deshalb arbeitet die Branche intensiv daran, alternative Rohstoffe stärker zu nutzen. Holzfasern, Komposte, Rindenhumus oder Kokosmaterialien sind heute Bestandteile vieler moderner Substratmischungen. „Praxistests zeigen, dass torfreduzierte und teilweise sogar torffreie Substrate bei Pelargonien funktionieren können, wenn Rezeptur und Kulturführung exakt abgestimmt sind“, erklärt Philip Testroet, stellvertretender Geschäftsführer des Industrieverband Garten (IVG). Entscheidend sei eine ausgewogene Mischung der einzelnen Komponenten. So lassen sich Struktur, Wasserhaltefähigkeit und Nährstoffversorgung sichern.
Pelargonien sind dabei vergleichsweise tolerant gegenüber torfreduzierten Substraten – ein Vorteil für die Entwicklung nachhaltigerer Mischungen sowohl im professionellen Anbau als auch im Hobbygarten. Gleichzeitig zeigen Lebenszyklusanalysen, dass der Einfluss von Substraten auf die Klimabilanz der Produktion deutlich geringer ist als der Energieeinsatz im Gewächshaus – das betont auch Prof. Dr. Paul Lampert.
Effizientes Wasser- und Nährstoffmanagement
Die Umstellung auf alternative Substrate erfordert Anpassungen in der Kulturführung. Eine wichtige Rolle spielen dabei Bewässerung und Nährstoffversorgung. Auch in diesem Bereich hat sich die Produktion in den vergangenen Jahren deutlich weiterentwickelt. Moderne Gewächshausbetriebe setzen zunehmend auf präzise Systeme wie Ebbe-Flut-Tische oder Tropfbewässerung. Manche sammeln zusätzlich Regenwasser von Gewächshausdächern und nutzen dieses für die Bewässerung.
In vielen Zierpflanzenbetrieben werden überschüssiges Gießwasser und Nährlösungen aufgefangen und wiederverwendet. Dadurch lassen sich Wasserverluste und Nährstoffausträge deutlich reduzieren. Aus wissenschaftlicher Sicht gilt Wasser deshalb in modernen Produktionssystemen nicht als dominanter Umweltfaktor – eine Einordnung, die auch Prof. Dr. Paul Lampert teilt.
Auch beim Pflanzenschutz setzt die Branche zunehmend auf integrierte Strategien und den gezielten Einsatz von Nützlingen, um chemische Pflanzenschutzmittel möglichst sparsam einzusetzen.
Wissen bündeln und zugänglich machen
Um aktuelle Entwicklungen rund um nachhaltige Produktionsmethoden sichtbar zu machen, haben die Brancheninitiativen Pelargonium for Europe (PfE) und Stars for Europe (SfE) unter https://pfe-trade.com/nachhaltigkeit eine Nachhaltigkeitsdatenbank für den Zierpflanzenbau aufgebaut. Die Plattform richtet sich unter anderem an Produzenten, Zulieferer und Fachmedien. Sie bündelt Fachartikel, Praxisbeispiele und Hintergrundinformationen aus internationalen Branchenmedien und ordnet sie thematisch. Zusammenfassungen der Artikel ermöglichen einen schnellen Überblick, während die Originalbeiträge über Verlinkungen direkt auf den jeweiligen Fachportalen gelesen werden können.
Die Inhalte decken zentrale Nachhaltigkeitsthemen wie Energie, Substrate, Wasser, Verpackung, Pflanzenschutz oder Züchtung ab, greifen aber auch soziale und organisatorische Aspekte wie Arbeitsbedingungen, Zertifizierung oder Zusammenarbeit in der Branche auf. Ziel ist es, vorhandenes Wissen aus Forschung, Praxis und Fachmedien an einem Ort zugänglich zu machen und den Austausch über nachhaltige Produktionsmethoden im europäischen Zierpflanzenbau zu fördern.
Abdruck honorarfrei mit Angabe der Bildquelle „Pelargonium for Europe“, Beleg erbeten.
